Politische Börsen haben lange Beine, behaupte ich einmal. Einfach so. Auch wenn ich damit Altmeister André Kostolany widerspreche. Dessen legendäre Spruch lautete bekanntlich: „Politische Börsen haben kurze Beine.“ Was so viel heißen soll, als dass politische Einflüsse an der Börse deutlich kürzer wirken als wirtschaftliche Entwicklungen. Das hat sich bei Trump gezeigt, bei Putin, beim Säbelrasseln von Kim Yong Un. Und auch am Tag Eins nach der deutschen Bundestagswahl ging die Börse schnell wieder zur Tagesordnung über. Hauptsache rot-rot-grün geht sich nicht aus. Und doch, davon bin ich überzeugt, haben sich die Zeiten geändert und politische Einflüsse wirken sich seit der Finanzkrise 2008 und verstärkt durch die Pandemie sehr wohl längerfristiger aus, weil eben Reregulierungen wieder stark zugenommen haben – Stichwort Banken Union, EU-Aktionsplan und Kohleausstieg. Der starke Einfluss der Geldpolitik auf die Zinslandschaft und jetzt mit der Pandemie auch noch die Milliarden-schweren staatlichen Konjunkturpakete sind es, die börsennotierte Titel auch die nächsten Jahre bewegen. Hinzu kommt, dass sich der Staat als Neo-Aktionär in Krisen-geschüttelte Branchen wieder stärker engagieren musste. Man denke nur an Tui und Lufthansa. Oder wie in der Schweiz, die Nationalbank in vielen Bluechips große Aktienpakete hält. Um sich politisch motivierten Schwankungen an den Kapitalmärkten halbwegs zu entziehen, gibt es nur eines: Sich bei seinen Investments sehr global aufzustellen. Wen juckten in Seoul schon die Sorgen in Frankfurt über den Wahlausgang.

Viel Anlageerfolg wünscht Julia Kistner

Für Verluste, die aufgrund von getroffenen Aussagen entstehen, übernimmt die Autorin, Julia Kistner keine Haftung.

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